Unser Wissen ist im Umbruch, unser Bildungssystem in der Krise, der Rufnach einem Kanon wird immer lauter. Dieses Handbuch bietet nun die ersteNeuorientierung hinsichtlich der Kernbestände unserer Kultur. Im erstenTeil Wissenalles, was man wissen mußBürgerrechtKönnenHaus der SpracheBüchern, die die Welt verändert haben, Tips zum Weiterlesen und einausführliches Namenregister erhöhen den Gebrauchswert dieses Handbuches.
Egal, ob in Quizshows, im Beruf oder einfach beim Smalltalk: Allgemeinbildung ist angesagt, um mitreden zu können. Doch bevor man sich mühsam in die verschiedenen Wissensgebiete einarbeitet, bietet der Duden 100.000 Tatsachen eine unterhaltsame Light-Version.
Übersichtlich in rund 30 Bereiche gegliedert, wird der Leser mit Grundlegendem vertraut gemacht. So findet man unter der Rubrik "Forschung, Wissenschaft und Technik" beispielsweise auch eine Liste mit wichtigen Entdeckungen in der Chemie oder unter "Musik und Interpreten" Erklärungen zu den Gattungen der Musikinstrumente. Der Leser erfährt in Infokästen aber auch Erstaunliches oder Verblüffendes. Im Kapitel "Geschichte" wird erwähnt, dass Kaiser Augustus 'seinem' Monat August einen Tag hinzufügte, damit er nicht weniger Tage besaß als der Juli, der nach Julius Caesar benannt wurde.
Der Duden konzentriert sich allerdings nicht nur auf traditionelle Wissensgebiete, sondern geht auch auf ungewöhnlichere Themen wie Gespenster oder Kriminalität ein. Hier findet man nicht nur die größten Entführungsfälle und Hinweise zu kriminaltechnischen Verfahren, sondern zum Beispiel auch eine Auswahl besonders unintelligenter Krimineller. In einem weiteren Kapitel geht es um den deutschen Werbemarkt, wichtige Agenturen, ausgezeichnete Werbung und Infos zur Schleichwerbung. Auch Wellness und Lifestyle sind eigene Seiten gewidmet. Grafiken und Illustrationen veranschaulichen das Wissen, Tabellen und Listen geben einen Überblick zu einzelnen Aspekten. Mit Hilfe des Registers können Begriffe schnell und gezielt nachgeschlagen werden.
Das Nachschlagewerk ist nicht auf Definitionen begrenzt, sondern gibt einen zusammenhängenden, leicht verständlichen Einblick in die unterschiedlichen Wissensbereiche. Auch, wenn man über die Inhalte der Allgemeinbildung streiten kann, sein Ziel hat der Duden erreicht: die Wissensgrundlagen spannend und unterhaltsam darzustellen. --Gabriele Hilchenbach
Das Buch ist natürlich eine Frechheit. Das war nicht anders zu erwarten bei einem Autor, der bundesrepublikanische Bildungszustände mit seinem Erfolgsroman Der Campus dem Gelächter preisgegeben hat.
Das Buch ist natürlich nicht die Frechheit, als die es daherkommt. Das ist heute nicht mehr zu erwarten, wo demonstrative Unbildung als ausgesprochen telegen gilt ("Hier wird Sie geholfen!").
Bildung, lautet das Credo derer, die dazugehören, kann man ja nicht "lernen", man muß sie erwerben. Mühsam. Ein Leben lang: Klavier mit vier, humoristisches Gumminasium mit Griechisch und Latein, Tanzstunde, Auslandsstudium. Am Ende sagt man dann Sätze, die alle klingen wie Schwanitz auf Seite 398 vorführt:"Wie Sie wissen, ist der Strukturalismus nur ein verkappter Neukantianismus". Aber wichtig ist, wie man auf so einen Partysatz zu reagieren hat, um als gebildeter Mensch zu gelten. Zum Beispiel kann man guten Gewissens "ein Geräusch verursachen wie eine Kuh, die zu muhen anhebt, aber es sich dann anders überlegt".
Landläufige Bildung in Europa ist ja keineswegs allumfassend. Die Zahl der Themen und Gegenstände, über die es Bescheid zu wissen gilt, ist überschaubar. Ihnen widmet Schwanitz die erste Hälfte des Bandes, knapp 400 Seiten: Literatur, Kunst, Musik, Philosophie, Ideologien pointiert, witzig und äußerst erhellend dahingeplaudert.
Der eigentliche Kern aber ist der zweite Teil, der sich damit beschäftigt, das im ersten Teil erworbene Wissen strategisch richtig und eben "gebildet" anzuwenden.
Schwanitz dürfte diesen Herbst viel diskutiert werden (kaufen, lesen und -- gebildet --mitreden!), aber der Band reflektiert ungeachtet der Ironie durchaus ein wichtiges Thema: Was ist Bildung? --Michael Winteroll